Der Umbau der Rothausschanze geht endlich weiter

Gute Nachrichten aus dem Gemeinderat: Es geht endlich weiter mit dem Umbau!

Hier ein Artikel von Dieter Maurer, Badische Zeitung, vom 19.5.2021:

Baufehler an der Rothausschanze kostet Gemeinde über 350.000 Euro
Hinterzarten hat beschlossen, den Baufehler an der Rothausschanze zu beheben. Dafür muss die Gemeinde mit über 350.000 Euro in Vorleistung gehen – ohne zu wissen, ob das Geld erstattet wird.

Die Generalsanierung des Anlaufbauwerks der Rothausschanze im Adler-Skistadion geht weiter. Das hat der Gemeinderat Hinterzarten am Dienstagabend im Kurhaus mit knapper Mehrheit entschieden. Sieben Räte stimmten für die Fortsetzung des Umbaus, fünf dagegen. Die Arbeiten waren aufgrund eines Fehlers im Oktober 2020 gestoppt worden. Die Mehrkosten bezifferte Bürgermeister Klaus-Michael Tatsch mit 566.000 Euro – davon muss die Gemeinde 366.274 Euro übernehmen.

Rückblick:
Es ist eine Panne, die in Hinterzarten für Fassungslosigkeit sorgte: Im Oktober 2020 kam es bei der Erneuerung der Rothausschanze im Adler-Skistadion in Hinterzarten zu einem Baufehler. Das Stahlgerüst, das die Anlaufspur tragen soll, passt nicht zum bestehenden Treppenturm der Rothaus-Schanze. Es konnte nicht weiter gebaut werden. Lange blieb ungeklärt, wie es mit dem 3-Millionen-Euro-Projekt weitergeht. Wer war der Verursacher? Und wer kommt für den Schaden auf? Offziell ist zumindest die erste Frage noch ungeklärt. Dennoch hat der Gemeinderat nun beschlossen, dass ab dem 7. Juni an der Schanze weitergebaut werden soll.
„Nach dem Einfrieren der Baustelle durfte nichts verändert werden“, sagte Tatsch. Die Gemeinde als Bauherrin zog einen Fachanwalt aus Freiburg zu Rate. Auf ein Beweissicherungsverfahren verzichtete die Kommune : „Es hätte viel Zeit in Anspruch genommen und eventuell ein Neuausschreibungsverfahren des Projekts erforderlich gemacht. Das hätte alles verteuert.“ Zudem hätten die Zuschussanträge neu gestellt werden müssen.

So viel kostet der Baufehler
Das Architekturbüro von Hans Martin Renn in Fischen/Allgäu hatte im Herbst 2020 eine Schadenshöhe von 300.000 Euro errechnet. Inzwischen stieg die Zahl für einen Rückbau der Anlage und der Korrektur des Fehlers auf 566.274 Euro.
Ohne Anerkennung einer Verpfichtung hat inzwischen eine Versicherung die Summe von 200.000 Euro zugesagt. Tatsch hat um einen Nachschlag gebeten. Der TÜV-Süd AG, ein international tätiges Dienstleistungsunternehmen, fertigte ein Gutachten. Tatsch zufolge „liegt uns das Ergebnis leider nicht vor“.
Beteiligte Versicherungsunternehmen hätte die Kommune aufgefordert, die Arbeiten fortzusetzen. Nach dem derzeitigen Stand müsste die Gemeinde mit 366.274 Euro in Vorleistung treten. Tatsch: „Wir wollen aber alle Mehrkosten ersetzt bekommen.“ Allerdings wisse er, dass Versicherungen bei streitigen Auseinandersetzungen gern ihre Leistungen um zehn bis 15 Prozent kürzen: „Diese Differenz bliebe dann an der Gemeinde hängen.“ Ein längerer Stillstand würde die Kosten aber stark in die Höhe treiben.

Nach Tatschs Angaben haben der Skiverband Schwarzwald und auch der Badische Sportbund Freiburg und der Landessportverband Baden-Württemberg signalisiert, bei einer Zwischenfinanzierung zu helfen, „wenn die Versicherungsgelder eingegangen sind, müssten wir diese Zuschüsse zurückzahlen“. Der Bürgermeister hofft auch auf Bundes- und Landesmittel, Hinterzarten sei ein wichtiger Olympia- und Trainingsstützpunkt des Deutschen Skiverbands: „Die Verbände haben großes Interesse am Erhalt. Deshalb bin ich zuversichtlich.“ Von den Gesamtkosten in Höhe von 3,1 Millionen Euro seien bislang 1,8 Millionen ausgegeben.

Projektleiter Andreas Fauter vom Büro Renn erläuterte den Rückbau. Der Architekt stellte fest, das Achs-System auf der Baustelle sei falsch markiert worden. Wer dafür die Verantwortung trägt, könne er nicht sagen. Zur Behebung des Fehlers habe das Ingenieurbüro drei Varianten geprüft: „Die wirtschaftlich und zeitlich beste Lösung ist ein Rück- und Neuaufbau.“ Das Stahlgerüst müsse abgenommen und zwischengelagert, Betonteile des Stützfundaments und des Schanzentischs müssen abgebrochen und neu ausgerichtet werden. Der Turm bleibe stehen. Die Arbeiten sollen am 7. Juni beginnen. Laut Zeitplan soll das Stahlgerüst vor Weihnachten 2021 wieder installiert werden. Die sanierte
Sprunganlage könnte zu Beginn des Winters 2022 übergeben und eventuell der Frauen-Weltcup am 12./13.März 2022 ausgetragen werden.

Auf die Frage von Zuhörer Wolfgang Speth nach der Verantwortung für den Fehler erklärte Tatsch: „Es sind mehrere Verursacher möglich. Das müssen wir später feststellen und dann unsere Forderungen geltend machen.“ Speth istüberzeugt: „Ohne Beweissicherungsverfahren wird dies schwierig.“ Herbert Hantscher möchte nicht „in der Haut der Gemeinderäte stecken.“ Der Verursacher sei festzustellen: „Es dürfen keine Zusatzkosten an der Gemeinde hängenbleiben.“
Bürgermeister Tatsch betonte, dass die Rothausschanze keine Ruine werden darf. Bei einer Nicht-Weiternutzung bestehe die Gefahr, dass Hinterzarten Zuschüsse aus der Vergangenheit teilweise zurückzahlen muss: „Wir müssen heute einen Knopf drauf machen.“ Für die Fortsetzung der Arbeiten stimmten neben Tatsch Klaus Steiert, Elke Völkle, Jürgen Thoma, Eugen Winterhalder, Martin Steurenthaler und Frank Metzler.

So diskutierte der Gemeinderat
„Das ist so ein Tag, an dem Du als Gemeinderat am liebsten Zuhause geblieben wärst“, umriss Klaus Steiert die Stimmung in der Sitzung. Die intensive Diskussion über das Pro und Contra der schwierigen Entscheidung über die Zukunft der Rothausschanze spiegelte sich in den Redebeiträgen der Ratsmitglieder wider. Eugen Winterhalder: „Ein Beweissicherungsverfahren würde viel Zeit in Anspruch nehmen und weitere Kosten verursachen. Für mich heißt die Lösung weiterbauen. Für die Gemeinde bedeutet dies zwar ein finanzielles Risiko, aber alle anderen Möglichkeiten würden auch Geld kosten. Zudem brauchen Trainer und Sportler den Stützpunkt. Falls wir nicht weiter bauen, könnte dies das Aus für den Stützpunkt bedeuten. Für Hinterzarten als nordisches Zentrum ist schon viel Schaden entstanden.“
Florian Hofmeier: „Ich kann einem Weiterbau nicht zustimmen. Wir sollten warten, bis fest steht, wie viel Nachschuss wir erhalten. Ansonsten hängt das Risiko voll auf der Gemeinde.“ Thomas Rohrer: „Um das Vorhaben komplett zu stoppen, ist es zu spät. Ich fühle mich von Zuschussgebern im Stich gelassen. Vor einer Entscheidung müssen wir
sicher wissen, wer uns hilft.“
Frank Metzler: „Wir haben die Wahl zwischen Pest und Cholera. Ein Beweissicherungsverfahren bringt kein Geld, aber es droht ein jahrelanger Prozess, die Baustelle würde stillstehen. Durchschnittlich dauern solche Auseinandersetzungen sieben Jahre. Es würde alles verteuern und den Schaden vergrößern.“ Elke Völkle: „Die Entscheidung pro Sanierung war nicht einfach, aber die Rothausschanze ist ein wichtiger Faktor für den Kurort. Wir müssen dazu stehen, auch wenn es weiterhin Geld kostet.“ Klaus Steiert: „Wir müssen weitermachen, ob wir wollen oder nicht und hoffen, dass die Gelder kommen.“ Sabrina Kleis: „Ich war von Anfang an gegen die Sanierung. Die Schanze ist
ein Fass ohne Boden. Olympiastützpunkt hin oder her, die Ausgaben nehmen kein Ende. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.“ Mark Hofmeier: „Ich war immer skeptisch. Vor einem Weiterbau muss die Schuldfrage geklärt werden.“ Jürgen Thoma: „Die Schanze steht für die Tradition unserer Skisportgemeinde und hat ihre Bedeutung für den Tourismus.“